1 Zylinder, 160 Buchseiten
- Janine Schmutz

- vor 11 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Matthias Pfannmüller – angefressen von der 701 Enduro
Er fährt mit angeknacksten Rippen durch die Sahara. Und er verfasst Bücher: bisher rund ein Dutzend über Automobile und jetzt das erste über einen Töff.

Nicht irgend einen, sondern speziell zu einem Einzylinder-Modell – der Husqvarna 701 Enduro: «Ich mag dieses Motorrad», gesteht Autor Matthias Pfannmüller. Er schraubt gerne auch selbst an der Maschine, «aber ich mache nicht alles und weiss mein Motorrad bei Jutzi in guten Händen.»
Benzin im Blut und in der Feder: Das Berufsleben des Motorjournalisten drehte sich lange um Autos: «Begonnen hat es Anfang der 1990er in Deutschland in der Oldtimer-Szene.» Seither hat er alles bewegt, was vier Räder hat, ist Rennen oder durch die Namib gefahren, hat darüber in Fachtiteln und Tageszeitungen geschrieben, parallel besagte Bücher verfasst oder Redaktionen geleitet. 2006 folgte er dem Ruf der Automobilrevue in die Schweiz und blieb; heute lebt er mit seiner Familie östlich von Bern.
Mit dem Töff-Führerschein stiess Matthias 2018 eine neue Türe auf: «Die Strasse war sogleich nicht mein Ding, mich faszinierte von Anbeginn das Gelände.» Nach ersten Ausritten mit seiner 300er-Enduro stach ihm Anfang 2000 in der Nachbarschaft bei Jutzimotorsport in Walkringen eine kaum gebrauchte Husqvarna 701 Enduro ins Auge: «Leichtbau, dazu viel Leistung und die Optik haben mich angesprochen. Ein gutes Gespräch mit Frank, dann waren wir uns schnell handelseinig.»
Viel Respekt – und immer mehr Selbstvertrauen
Inzwischen hat der 58jährige rund 20 000 Kilometer mit seiner 701 zurückgelegt – nicht selten Offroad: «Bevorzugt in Gruppen, doch die waren anfänglich zu schnell für mich. Inzwischen mute ich mir mehr zu.» Dazu gehörte im letzten Jahr eine dreiwöchige Saharatour durch Tunesien: «Meistens bin ich zwar mit Respekt unterwegs, aber gelegentliche Stürze sind nicht zu vermeiden.» Dabei brach sich Matthias zuletzt zwei Rippen. Nun ist ihm zu wünschen, dass kommende Touren — auf der Shortlist stehen aktuell Greenlaning in England, der finnische Polarkreis oder Ligurien – ohne grosse Zwischenfälle verlaufen, denn: «Jeder Töff hat seine Stärken und Schwächen – natürlich auch die 701. Aber ich kenne sie inzwischen recht gut und habe vor, ihr treu zu bleiben.»
KTM öffnet nach Skepsis alle Türen
Als Autor fiel Matthias bald auf, dass es zwar zahlreiche Bücher zu diversen Harleys oder BMW-Modellreihen gibt, aber keine aktuelle Literatur zu Husqvarna – von einem Titel zur 701 ganz zu schweigen. «Das beschäftigte mich, denn ich wollte mehr über diesen Töff erfahren.»
Die solide Recherche zeichnet einen guten Journalisten aus. Er lässt nicht locker, bis auch der Hintergrund ausgeleuchtet ist. Das musste auch die KTM-Führungsebene im oberösterreichischen Mattighofen erfahren, als Matthias mit der Idee vorsprach, ein Buch über die 701 Enduro zu schreiben. Anfänglich etwas skeptisch, dann zunehmend vertrauensvoll und schliesslich als begeisterte Quellenlieferanten öffneten ihm die Verantwortlichen alle Türen zu Entwicklung, Konstruktion, Produktion und Zahlenmaterial. Dies notabene im unternehmerisch turbulenten Jahr 2025. Die Buchidee entstand im letzten Frühling, das 160seitige Werk wurde im Winter fertig. Gedruckt hat man nun 1500 Exemplare in Englisch, 1000 in Deutsch: «Das Buch gibt es auf Nachfrage beim Husky-Händler.» Übrigens: Weltweit wurden bisher rund 10 000 701 Enduro-Maschinen verkauft.
Das Buch: Unterhaltung pur
Das Buch liegt vor mir. Aufschlagen und Seite für Seite geniessen, so ist es mir ergangen. Ein Motorrad fährt um die Welt: Faszinierende Bilder, packende Porträts, kritische Interviews, Reminiszenzen aus über 120 Jahren Markengeschichte, die Entstehung der 701, dazu ausführliche technische Daten aller Baujahre, Tipps zu den Schwachstellen und ihrer Behebung – um nur einige Kapitel anzureissen. Zu den Highlights zählt die Entwicklungs-Saga des legendären LC4: «Erstaunlicherweise gab es nur sehr wenige Informationen zu dem Motor, ohne den es KTM heute vielleicht gar nicht mehr gäbe», erinnert Matthias, «aber ich hatte das Glück, den damaligen Konstrukteur Sepp Hattinger kennenzulernen. In mehreren Sitzungen hat er mir dann alles erzählt.»
Auffällig: Neben dem Motorrad geht es im Buch immer wieder um Menschen und ihre Beziehung zur 701 Enduro – Ingenieure, Designer, Rennfahrer, Globetrotter, Besitzer. Im Händler-Kapitel darf Jutzi Motorsport natürlich nicht fehlen: Neben Geschäftsführer Frank Schmutz strahlen mir Mechaniker Sascha Lüthi und Werkstattleiter Benjamin Gertsch als ‘passionate riders’ entgegen.
Das Buch liegt jetzt in Walkringen in limitierter Auflage auf.
Es kostet CHF 13 490.–
Dazu gibt’s aber
kostenlos eine 701…





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